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Mein erster Tag auf dem Campus

 

Als ich am ersten Tag für meine Registrierung im International Centre eintraf, wurde ich nichts ahnend direkt in den Unterricht der aus internationalen Studierenden bestehenden Englisch-Klasse geführt, vor welcher ich mich nun vorstellen sollte. In der ersten Reihe erkannte ich einen aus meiner Unterkunft wieder, der sofort ganz stolz "that’s my new flatmate!“ in die Runde rief. Als die einzige blonde Person auf dem Campus – bisher habe ich dort überhaupt noch keine andere Person aus Europa gesehen – wurde ich von der aus fast nur Männern bestehenden Klasse intensiv gemustert. Nachdem ich in kurzen Sätzen erzählt hatte, wer ich bin und was ich studiere, wurden die anderen ebenfalls dazu aufgefordert, sich mir vorzustellen. In brüchigem Englisch erfuhr ich von den nun sehr schüchternen Studierenden, wo sie herkamen und was sie studierten – 80% von ihnen kamen aus Afghanistan und die anderen aus Vietnam.  

Nachdem ich meine Registrierung im International Center abgeschlossen hatte, wollte ich mich bei den Dozentinnen vom Women’s Studies Centre vorstellen, um mit ihnen die Wahl meiner Kurse zu besprechen. Eine Studierende, die ich beim Umherirren auf dem Campus nach dem Weg fragte, begleitete mich bis zu meinem Ziel, um sicherzugehen, dass ich mich nicht verlaufe. In der Women's Studies Office angekommen wurde ich von den Büro-Frauen darum gebeten, eine Stunde auf die Dozentin zu warten. Jetzt war ich froh, dass ich meinen „Fettnäpfchenführer“ dabei hatte und mir die Zeit mit Lesen vertreiben konnte. Nach einer guten Stunde wurde ich von einer der Frauen aus dem Büro erst einmal zum Mittagessen geschickt.

 

Als ich mich auf die Suche nach der Mensa begab, begegnete ich einer anderen Studierenden, Debo, die ebenfalls auf dem Weg zur Mensa war, um sich dort einen Smoothie zu holen. Als Debo erfuhr, dass ich noch nicht zu Mittag gegessen hatte und neu auf dem Campus war, bot sie mir an, mir beim Essen Gesellschaft zu leisten. An einem Saftstand vor der Mensa lud sie mich auf einen superleckeren Mango Shake ein und half mir anschließend in der Mensa etwas zu essen zu bestellten. Als ich erwähnte, dass ich Vegetarierin bin fragte sie mich, ob es für mich okay wäre, wenn sie für sich Eier bestellt – in Indien essen Vegetarier*innen keine Eier. Da es mich selten stört, wenn andere vor mir Fleisch oder Fisch essen und mir spontan niemand einfällt, der aufgrund meiner Anwesenheit auf eine nicht-vegetarische Mahlzeit verzichten würde, war ich etwas irritiert von dieser doch irgendwie sehr empathischen und aufmerksamen Geste.

 

Von Debo erfuhr ich, dass sie gerade in der Bibliothek vom Classroom Complex arbeitete, wo ich auch die Dozentinnen vom Women’s Studies Centre antreffen würde. Somit gingen wir nach dem Essen gemeinsam zum Classroom Complex, in welchem in Zukunft auch meine Kurse stattfinden würden. Die vier Dozentinnen begrüßten mich herzlich und teilten mir den Kursplan für die bereits begonnene Woche mit.

 

Von Göttingen aus hatte ich zwei Module aus dem 1. Semester („Feminism: Global and Local“ und „Gendering Social History“) und einen aus dem 3. Semester („Theory of Gender in India“) gewählt, in mein Learning Agreement eingetragen und dieses an meiner Uni in Göttingen unterschreiben lassen. Ich hatte jedoch keine Rückmeldung vom Women's Studies Centre in Pune darüber erhalten, ob ich die Kurse in dieser Kombination belegen könnte. Nun musste ich feststellen, dass das „Feminism“-Modul vom 1. Semester mit dem vom 3. Semester kollidierte. Sneha, eine der Dozentinnen schlug mir vor, anstatt des „Feminism“-Moduls ein Modul zu „Women’s Movements in India “ zu belegen, da dieses für beide Semester angeboten wurde und deshalb mit keinem anderen kollidieren würde.

 

Ich hatte bereits von anderen Studierenden erfahren, dass das erste Semester vom Master – hier wird Gender Studies nur als Masterstudiengang angeboten – erst im August beginnen würde, während das 3. Semester (bzw. 2nd year) bereits am 8. Juli begonnen hatte. Bisher hatte ich allerdings nur 2 Unterrichtseinheiten verpasst und konnte nun sehr entspannt in die ersten Wochen starten, da ja erst eins meiner gewählten Module begonnen hatte.