· 

Meine ersten sozialen Kontakte in Pune

 

Aufgrund einer starken Erkältung und der ungewohnten neuen Umgebung verbrachte ich die ersten Tage nach meiner Ankunft größtenteils in meinem Zimmer, nachdem ich mich in diversen Supermärkten mit Essen, Geschirr und ein paar anderen Dingen für mein Zimmer eingedeckt hatte. Dank Couchsurfing hatte ich allerdings bereits vor Antritt meiner Reise einige Kontakte in Pune geknüpft, mit denen ich mich in den kommenden Wochen zum Kaffeetrinken oder Essengehen verabredete. Als Erstes traf ich mich mit einer Studierenden aus Süddeutschland, die sich nach einem einjährigen Praktikum in Indien dazu entschieden hatte, in Pune ihren Bachelor in Psychologie zu machen.

Khan Palace
Khan Palace

Von Priyanki, der Verantwortlichen für die Göttinger Studierenden in Pune, erfuhr ich bei unserem Treffen, dass zur selben Zeit auch zwei andere Studierende aus Göttingen für zwei Wochen in Pune waren. Nun hatte ich die Möglichkeit, mich mit einer anderen Göttingerin auszutauschen und die Stadt zu besichtigen. Wir besichtigten den Khan Palace und liefen ein bisschen kreuz und quer durch den Stadtteil "Koregoan Park". Dort haben wir auch am protzigen Osho-Resort und an der "German Bakery" - in welcher furchtbare Musik mit schlechter Soundqualität lief - vorbei. 

Eigentlich hatte Priyanki für uns Göttinger*innen eine Sightseeingtour organisiert, die wegen des starken Regens jedoch erst verschoben und dann abgesagt wurde. Über Couchsurfing organisierte ich uns deshalb einen Local, der motiviert war, uns trotz des schlechten Wetters ein paar Sehenswürdigkeiten zu zeigen und uns mit seinem Auto durch die Stadt zu kutschieren.

Eine Woche später organisierte ich ein kleines Gruppentreffen mit anderen Leuten von Couchsurfing, bei welchem ich unter anderem erfuhr, dass in Indien bei einigen ein eher verqueres Bild von Hitler und seinem vermeintlichen Einfluss auf die Befreiung vom britischen Kolonialismus vorherrscht: mehr dazu hier. Wir unterhielten uns auch über die historischen und kulturellen Gründe des indischen Vegetarismus und die westliche Projektion, sowie Aneignungen indischer spiritueller Überzeugungen: mehr dazu hier.

 

Von einer Muslima aus Pune erfuhr ich während eines langen Nachmittags bei Starbucks eine Menge über soziale Zwänge, den familiären Druck innerhalb lokaler Familienkonstellationen und über Dating Apps, die darauf abzielen, einen Partner zum Heiraten zu finden und Frauen dabei die Möglichkeit geben, den ersten Schritt zu machen. Sie hatte ihr aktuelles Date dabei und beide machten sich darüber lustig, dass man in Indien zwar auf die Straße pissen, aber sich nicht küssen darf: „You can piss in the street, but you can’t kiss in the street!“ 

 

Rajgad Fort
Rajgad Fort

Über die Studierende aus Göttingen lernte ich auch eine Praktikantin aus Süddeutschland kennen, mit der ich mich nun regelmäßig zum Essengehen oder Shoppen verabrede und auch schon einen Trip nach Goa für Ende Oktober geplant habe. Gemeinsam mit einem Freund von meinem Vater, der aufgrund seiner Arbeit für fünf Wochen in Pune war, unternahmen wir auch eine Wanderung zum Rajgad Fort.

 

im 15. Stock über Pune - die beste Arbeitsathmosphäre :)
im 15. Stock über Pune - die beste Arbeitsathmosphäre :)

Von meiner einen Couchsurfing-Bekanntschaft werde ich nun regelmäßig im 15. Stock zum Essen und chillen eingeladen.  Mit Ausblick über Pune schreibe ich dort unter anderem an den Summaries für meine Uni-Kurse und genieße bei entspannender Musik die angenehme Athmosphäre und die saubere Luft. Am vergangenen Sonntag verabredeten wir uns dort auch mit anderen Leuten von Couchsurfing zum Kartenspielen. Dabei schweiften wir schnell zu Diskussionen über Sexualität, Religion und gesellschaftliche Normen ab. Ich war erstaunt, wie kompatibel unsere Einstellungen, trotz unserer religiösen Heterogenität (2 Hindus, eine Schiitin, ein Sunnit – und ich, als Konfessionslose) zu diesen Themen waren. Positiv überrascht war ich zudem auch davon, dass die religiöse Konfession der Beteiligten erst dann erwähnt wurde, als über die Religion betreffende Thematiken gesprochen wurde - bis dahin blieb dies Privatsache.  Pune ist dafür bekannt, dass hier alle Glaubensrichtungen friedlich zusammenleben. Es gibt deshalb auch viele schiitische Muslime und Sikhs in der Stadt, obwohl diese nur einen sehr kleinen Anteil der Bevölkerung ausmachen.